Curriculum Methodenkompetenz


für eigenständiges, kooperatives und kommunikatives Lernen

Methodentraining in Jahrgang 9 Methodentraining in Jahrgang 8 Methodentraining in Jahrgang 7 Methodentraining in Jahrgang 6 Methodentraining in Jahrgang 5 Methoden-Curriculum
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1. Einleitung

Das schuleigene „Curriculum Methodenkompetenz“ am Gymnasium Westerstede fußt auf den Vorgaben des Erlasses „Die Arbeit in den Schuljahrgängen 5 bis 10 des Gymnasiums“. Darin ist vorgesehen, dass die Schülerinnen und Schüler fächerübergreifende methodische Kompetenzen erwerben sollen.

Das Konzept basiert auf einem Begriff von Lernen, der die Vermittlung und Stärkung der eigenständigen, kooperativen und kommunikativen Lernkompetenzin den Mittelpunkt stellt. Die Schülerinnen und Schüler sollen in ihren Fähigkeiten und Fertigkeiten gestärkt werden, sich eigenständig Wissen anzueignen und dieses Wissen eigenständig zu organisieren und zu bewerten. Dies soll nicht nur individuell, sondern vor allem in einem kooperativen Lernprozess in den Klassen und Gruppen erfolgen, die Organisation des Unterrichts muss also daraufhin ausgerichtet werden.

Schließlich müssen die Kenntnisse, um handlungsrelevant werden zu können, auch kommuniziert werden. Auch hierzu bedarf es spezieller Kompetenzen, die im Rahmen dieses Konzeptes gelernt und praktiziert werden müssen.

Das Methodenkonzept ist als Stärkung des fachlichen Methodenerwerbs zu verstehen, indem es die vielen einzelnen, auch fachspezifischen Methoden fächerübergreifend systematisiert, ggf. ergänzt und miteinander verknüpft, sodass alle am Lernprozess der Schülerinnen und Schüler Beteiligten über einen verbindlichen Kanon an Lern- und Arbeitsmethoden verfügen.

2. Grundprinzipien

Grundprinzipien des „Curriculums Methodenkompetenz“ sind zum einen die Aneignung von Lernkompetenz, zum anderen das Verhältnis von Methodenkompetenz und Sachkompetenz und schließlich der Stellenwert des Methodenkonzeptes für die Unterrichtsentwicklung der Schule.

Lernkompetenz

Den Schülerinnen und Schülern sollen Methoden vermittelt werden, die sie zunehmend in die Lage versetzen, den eigenen Lernprozess eigenständig selbstreflektierend zu entwickeln und zu steuern, kooperativ zu organisieren und ihr Wissen darüber kommunikativ einzusetzen.

Mit selbstreflektierend ist gemeint, dass die Schülerinnen und Schüler in systematischer Weise Methoden kennen lernen, mit deren Hilfe sie ihren eigenen Lernprozess kritisch hinterfragen und ggf. neu gliedern können. (s.u.: Säulen 1, 2, 3)

Lernen kooperativ zu organisieren meint die Fähigkeit, Teamarbeit/Gruppenarbeit strukturiert anzugehen und ergebnisorientiert durchzuführen. Auch dies muss gezielt eingeübt werden. (s.u.: Säule 4)

Wissen kommunikativ zu nutzen heißt, dieses Wissen adressatenbezogen und sachgerecht vermitteln zu können. Wenn man davon ausgeht, dass Lernprozesse

  • einer Arbeitsorganisation bedürfen,
  • Informationsbeschaffung und -aufnahme erfordern,
  • bezüglich einer Fragestellung zu einer Systematisierung von Informationen führen und letztlich
  • oftmals in einen unterschiedlich gearteten Handlungsprozess (z.B. in Form einer Präsentation) münden,

so ergeben sich daraus für das Curriculum Methodenkompetenz die folgenden 4 Säulen:

  1. Arbeitsorganisation/Effektives Lernen
  2. Informationsbeschaffung/Lesekompetenz
  3. Systematisieren
  4. Präsentation/Visualisierung

Das heißt im Einzelnen:

Arbeitsorganisation/Effektives Lernen

Hierzu gehören Kenntnisse über die Arbeitsplatzgestaltung zu Hause, die Formen der Heftführung, die Vorbereitung auf Klassenarbeiten und die Arbeit in Gruppen. Das Kennenlernen von Lerntypen und die Selbst- und Fremdbeobachtung fördern das individuelle, effektive Lernen (dies beinhaltet z.B. auch das Ergründen von Ursachen für Redeängste und Strategien dagegen). Schließlich sind auch Beobachtungsbögen zum eigenen Arbeitsverhalten Teil dieser ersten Säule.

Informationsbeschaffung/Lesekompetenz

Die Fünf-Gang-Lesetechnik bildet einen wesentlichen Baustein dieser Säule, hinzu kommt die Arbeit mit Nachschlagewerken, Karten, Tabellen und Diagrammen. Die Einführung in einen kompetenten Umgang mit dem Internet (von vielen Schülerinnen und Schülern gern und häufig, aber unkritisch genutzt) ist ebenfalls dieser Säule zugeordnet.

Systematisieren

Das erste Fixieren von spontanen, ungeordneten Ideen über ein Cluster oder das Anfertigen von ersten Notizen zu einem Vortrag oder Film sind Schritte zum Sichern von Informationen. Über das Anlegen einer Mind-Map werden erste Schritte des Systematisierens vermittelt. Die Arbeit mit Diagrammen, das Anfertigen von Versuchs- und Stundenprotokollen und eine aus mehreren Ebenen und unterschiedlichen Symbolen aufgebaute Mind-Map gliedern komplexe Sachverhalte. Im Zusammenhang mit dem Baustein „Argumentation“ werden deren Ebenen explizit vermittelt.

Präsentation/Visualisierung

Die letzte Säule umfasst unterschiedlichste Formen der Präsentation: Wandzeitung, Zeitleisten, kurzer mündlicher Vortrag, Referat, Folieneinsatz und Power-Point-Präsentation werden als unterschiedliche Techniken vorgestellt und eingeübt.

Verhältnis von Methodenkompetenz und Sachkompetenz

Das „Curriculum Methodenkompetenz“ umfasst ausschließlich fächerübergreifende Methoden. Dennoch werden die Methodenbausteine dort, wo es inhaltlich möglich ist, an Fachinhalte geknüpft, denn so erhalten sie einen Anwendungsbezug und können hinsichtlich ihrer Zweckmäßigkeit kritisch hinterfragt werden. Methodenbausteine, bei denen eine Verknüpfung mit Fachinhalten nicht erforderlich ist, sind z.B. „effektives Lernen“, „Hausaufgaben“, „mündliche Mitarbeit“ etc. (v.a. Säule 1). Methoden, die rein fachspezifisch sind, also ihre Gültigkeit und ihren Wert allein innerhalb eines Fachs haben, sind nicht Teil dieses Konzepts.

Stellenwert des Methodenkonzeptes für die Schul- und Unterrichtsentwicklung

Im „Curriculum Methodenkompetenz“ besteht eine besondere Chance für die Unterrichtsentwicklung. Sein Ziel, eine „Stärkung der Lernkompetenz“ im beschriebenen Sinne, kann dadurch erreicht werden, dass sich alle Fachlehrerinnen und -lehrer eines Jahrgangs auf verbindliche Absprachen über die Ausgestaltung der einzelnen Methodenbausteine einlassen. Diese Absprachen bergen eine neue, besondere Qualität in der Vermittlung von Lernkompetenzen, denn sie beinhalten die Chance, dass das, was in den einzelnen Bausteinen vermittelt wird, durch die gemeinsame Verantwortung aller Fächer eine größere Qualität und Effektivität erhält. Sie helfen dabei, unsinnige Wiederholungen zu vermeiden, verhindern unterschiedliche Schwerpunktsetzungen und führen so zu Zeitersparnis und mehr Effektivität im Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler gewinnen somit größere Sicherheit in der Anwendung der erlernten Methoden, die Lehrkräfte erhalten nebenbei Gelegenheit zu sinnvoller, systematisch angelegter Kooperation.

3. Merkmale

Zuordnung zu den Jahrgängen

Die Jahrgänge 5 bis 9 bilden den Schwerpunkt des Methodenlernens. Jahrgangsweise aufsteigend werden (Teil-)Kompetenzen z.T. wiederholt und dann zunehmend vorausgesetzt und angewandt. Die Methodenbausteine sind in ihrem Schwierigkeitsgrad systematisch nach lernbiologischen und -psychologischen Prinzipien geordnet (altersgemäße Inhalte, Vermittlung in kleinen Portionen, gehirngerechtes Lernen, ständiges Wiederholen und Vertiefen). Grundlegende Arbeitsmethoden werden also an den Anfang gestellt, weiterführende erfolgen später (so ist z.B die „Wandzeitung“, eine einfache und anschauliche Präsentationsform, im fünften Jahrgang vorgesehen, der Baustein „Argumentation“ hingegen erfolgt erst im achten Jahrgang).

Zuordnung zu Methodentagen, Klassenlehrerstunden und Fachunterricht

Für die Jahrgänge 5, 6 und 7 ist jeweils ein Methodentag pro Schuljahr vorgesehen. An diesen Tagen werden bestimmte Bausteine innerhalb der Säule „Arbeitsorganisation/Effektives Lernen“ von der Klassenlehrkraft vermittelt. Hier werden den Schülerinnen und Schülern grundlegende und allgemeine Arbeitstechniken unabhängig von Sachinhalten vorgestellt. Dies verbindet sich mit den allgemeinen Aufgaben einer Klassenlehrkraft, welche die soziale und fachliche Kompetenz der Klassengemeinschaft und der einzelnen Schülerinnen und Schüler fördert und deren erster Ansprechpartner bei allgemeinen schulischen Problemen ist.

Andere Bausteine dieses Bereichs werden zusätzlich dazu in den wöchentlichen Klassenlehrerstunden vermittelt. Jeweils neue Bausteine werden systematisch mit Wiederholungsanteilen bereits eingeführter Inhalte verknüpft.

Die Säulen „Informationsbeschaffung/Lesekompetenz“, „Systematisierung“ und „Präsentation/Visualisierung“ werden hingegen im Fachunterricht vermittelt.

Die Zuordnung der Bausteine zu einzelnen Fächern ist mit den Fachgruppen abgestimmt und berücksichtigt die Curricula der Fächer. Für alle Fachlehrerinnen und -lehrer nachvollziehbar werden die Methoden somit zu einem fachlich sinnvollen Zeitpunkt und mit verbindlichen inhaltlichen Schwerpunkten unterrichtet.

Transparenz und Nutzen für das Klassenkollegium

Eine Übersicht über die in dem jeweiligen Jahrgang zu erarbeitenden Methoden wird jährlich dem Klassenbuch beigelegt. Es ist vereinbart, dass die Methodenbausteine möglichst im ersten Halbjahr vermittelt werden, damit die erlernten Methoden bereits im weiteren Verlauf des Schuljahres in den Unterricht einfließen können. Sobald ein Baustein eingeführt ist, wird dies von der jeweiligen Lehrkraft in dieser Übersicht für alle Lehrerinnen und Lehrer der Klasse sichtbar notiert, sodass immer alle über den aktuellen Stand der Erarbeitung informiert sind und auf bereits vorhandene Kompetenzen zurückgreifen können.

Transparenz und Nutzen für die Schüler und Schülerinnen

Die Schülerinnen und Schüler legen eine Mappe an, in der eigens die Materialien zum Thema „Methodenkompetenz“ gesammelt werden. Hierdurch wird die Bedeutung des Erlernten unterstrichen. Auch hierdurch haben Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrkräfte jederzeit die Möglichkeit, auf bereits erlernten Inhalten aufzubauen.

Mitarbeit der Eltern

An einem Informationsabend für die Eltern des Jahrgangs 5 zu Beginn des Schuljahres sowie durch Informationen auf den Elternabenden der Jahrgänge 5 und 7 werden die Eltern über das Methodenkonzept der Schule informiert.

Gerade bei denjenigen Bausteinen, die die häusliche Arbeitsweise betreffen, ist es sinnvoll, die Eltern als Partner der Kinder und der Schule mit einzubeziehen und ihnen das Methodenkonzept zur Verfügung zu stellen. Mögliche Reibungspunkte zwischen häuslichen und schulischen Herangehensweisen können durch eine offene Kommunikation zwischen den Beteiligten minimiert werden.


 Autorinnen: Ines Rensinghoff, Mona Gulati im August 2015

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