Der Musikzweig am Gymnasium Westerstede existiert seit 1990 und ist damit einer der ältesten Niedersachsens. Er bietet Schülerinnen und Schülern, die ein besonderes Interesse an Musik haben, die Gelegenheit, dieses als Schwerpunkt zu wählen. Der MZ erstreckt sich über die Jahrgänge 6-10, wird aber bereits in Klasse 5 angewählt. So kann schon mit dem ersten Schultag am Gymnasium eine besondere Verbundenheit zur Musik erzeugt werden.

Statt der üblichen ein bis zwei Wochenstunden werden dann je nach Jahrgang drei bis vier Unterrichtsstunden pro Woche erteilt - die Musik bekommt - auch durch Instrumentalunterricht und musikalische Arbeitsgemeinschaften - einen wesentlichen Hauptakzent im Schulalltag zugewiesen. Damit die Schüler dafür nicht zusätzliche Unterrichtstunden pro Woche ableisten müssen, gilt für sie die Stundentafel 2 . Hier werden die schulischen Mehrstunden für das Fach Musik im Laufe der Mittelstufe durch Kürzungen in anderen - wechselnden - Fächern abgefedert, sodass kein Lerndefizit in einzelnen entsteht oder gar Nachteile bei der Wahl der Fächer für das erhöhte Niveau.

Eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme am MZ ist ein starkes Interesse dem Gegenstand gegenüber sowie die Bereitschaft, sich dafür entsprechend zu engagieren. Instrumentalunterricht und AG sind durchaus eine Mehrbelastung, werden aber von den jungen Schülern nicht unbedingt als solche empfunden. Sinnvoll - nicht notwendig - ist es, mit dem Unterricht auf einem Instrument in Klasse 5 bereits begonnen zu haben, mit dem im Klassenensemble musiziert werden kann. Natürlich ist es ebenso möglich, sich auch während der ersten Monate für ein Instrument zu entscheiden und dann Unterricht zu nehmen. Geregelter Instrumentalunterricht und Spielen nach Noten sind dazu die entscheidende Grundlage. (Diverse Leihinstrumente sind gegen eine geringe Gebühr über das Gymnasium oder die Musikschule verfügbar.) Die im Unterricht erarbeiteten Stücke werden dabei den Leistungen und dem Vermögen aller Schüler gerecht - dem Anfänger und dem Fortgeschrittenen -, da die Werke in der Regel vom Musiklehrer bearbeitet und somit auf die jeweiligen Ansprüche zugeschnitten werden. (Weitere Informationen - etwa über Kerncurricula, Ausstattung, Räumlichkeiten, etc. - sind auf der Internetseite des Gymnasiums Westerstede unter den Ausführungen zu den Fach-Infos Musik hinterlegt.)

Eine weitere Voraussetzung ist die regelmäßige Teilnahme an einer musikalischen Arbeitsgemeinschaft. Es sollten die Arbeitsgemeinschaften des Gymnasiums (z.b. ComboSmallBand, Jugendorchester, Chor) oder der Musikschule Ammerland (z.B. "Die Streichhölzer", Bigband, Akkordeon-Orchester, Dr-Ammerland, Flöten- bzw. Klarinetten-Ensemble, Spielkreis für „Alte Musik“) angewählt werden, die sich alle regelmäßig einem Publikum präsentieren.

Der schulische Unterricht wird im MZ durch einen besonders hohen Praxisanteil bestimmt (in der Regel 50%), in dem die theoretisch erworbenen Fähig- und Fertigkeiten vertieft werden. Da alle Schüler ein Instrument erlernen, können sie sich je nach persönlichem Leistungsstand aktiv in den Unterricht einbringen und am Klassenensemble teilnehmen. Besonders wichtig ist neben dem eigenständigen Üben das gemeinsame Erarbeiten von Musik - also eine echte kollektive Leistung - bei der neben den instrumentalen Fähigkeiten des Einzelnen auch soziale Kompetenzen wie etwa eine disziplinierte Arbeitshaltung, Teamgeist und Selbstverwirklichung, eine realistische Selbsteinschätzung und Verantwortung füreinander gefördert werden. Als Nebenprodukt führt die selbstständige Planung des außerschulischen Tagesablaufes zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Zeit.

Die praktisch erarbeiteten Werke sind immer direkt auf den Unterricht bezogen, dabei aber keinerlei stilistischen Eingrenzungen unterworfen: Von Klassik bis in den Jazz-, Pop-Rockbereich wird jede Stilrichtung adaptiert und auf die entsprechenden Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe zugeschnitten, sodass alle Schüler ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten einbringen können.

Immer wieder gibt es für die Musikzweigschüler inner- oder außerschulisch die Gelegenheit, das Erarbeitete anderen vorzuführen (z.B. Klassenvorspielabende oder die Begrüßung der neuen Fünftklässler am ersten Schultag durch den 6. Jahrgang). Wer hier schon als junger Mensch Erfahrungen gesammelt hat, braucht als Erwachsener in vergleichbaren (Prüfungs-)Situationen keine Angst mehr zu haben, denn er weiß, dass gute Vorbereitung das Selbstbewusstsein stärkt und Sicherheit gibt.

Wie alle anderen Schüler können Musikzweigler innerhalb der Oberstufe ihre Prüfungsfächer frei wählen. Viele wählen allerdings auch weiterhin Musik, weil ihnen das Fach am Herzen liegt und sie durch die intensiven praktisch-theoretischen Musikerfahrungen der Mittelstufe dieses Fach mit guten Zensuren ins Abitur einbringen können.

Nach unseren Erfahrungen werden durch die insgesamt hohe Anzahl der Musikstunden in der Mittelstufe, die vielfältigen Praxiserfahrungen, das fortwährende gemeinsame musikalische Arbeiten an allen Arten und Stilrichtungen von Musik und die intensivere kulturelle Bildung viele der heutzutage gesellschaftlich geforderten Skills sowie Toleranz und Aufgeschlossenheit gegenüber abweichenden Denkmustern oder Wertvorstellungen gefördert und eine wichtige Basis für Beruf und späteres Leben gelegt.

©markus sarwas 11/2015